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Der (un)nütz[lich]e linguistische Tipp #1

e a 1

von unserem Linguisten Thomas: Er hat einen echten Master in germanistischer Linguistik und versucht sich jetzt an pseudolinguistischen Kurztexten

e = a?

„Wie kann es sein, dass die alle nicht zwischen e und a unterscheiden können?“, schnaubt unsere Redaktionsleiterin Katerina Ankerhold in leicht angehobener Tonlage, noch während die Bürotür in Schloss fällt. Ihre Sitznachbarin Catarina Chakrabarty, wohl wegen der Verwechslungsgefahr von den meisten Chaka gerufen, nickt erst und schüttelt dann ungläubig den Kopf. Der Volontär im Hintergrund wird hellwach und wittert seine Chance: Kann ich jetzt mein Uniwissen am Arbeitsplatz einsetzen?

„Das ist ganz einfach“, mische ich mich also ein. „Gesprochen wird das e an dieser Stelle ganz regulär kaum vom a unterschieden.“ – „e ist gleich a, oder wie??“, antwortet Katerina mit der Antwort unzufrieden. Ich gerate kurz ins Stocken und sammle meine Worte. Dann nehme ich Anlauf: „In unbetonter Stellung, wir sagen auch: in der Akzentsenke, werden e und er reduziert – e zu Schwa (ə), er zu Tiefschwa, oder hier vielleicht der bessere Name: a-Schwa (ɐ). Das a-Schwa liegt artikulatorisch wie akustisch sehr nah am a. Deshalb schreiben wir ja zum Beispiel auch gern Muthafucka mit zweimal a?“ – „So? tun wir das?“, muss die eigentlich erboste Katerina jetzt plötzlich lachen, die Catarina mit a genauso. Ich bemerke: „Oh, das ist ein schlechtes Beispiel. …Das ist ja eigentlich englisch. ...Aber im Englischen funktioniert das genauso.“ „Auf jeden Fall haben wir aber zwei verschiedene Namen und darauf sollte man auch achten.“, sind sich Katerina und Catarina einig. „Besonders hier bei uns im Katarinensaal.“

Ganz überzeugt scheinen die beiden noch nicht, aber die Empörung ist auch nicht mehr groß genug, um die Diskussion am Leben zu halten. Und unsere vermeintlich e/a-taubstummen Kollegen sind fürs erste entschuldigt.Während ich mich auf dem Bürostuhl in Richtung Bildschirm zurückdrehe, denke ich weiter darüber nach: Ja? Sind es denn eigentlich zwei verschiedene Namen oder nur zwei Realisierungen einer abstrakten Größe? Katharina wäre doch für beide das Lemma, nach dem ich im (onomastischen?) Wörterbuch suchen würde. Sie selbst verbinden die Namen ja auch: in ihrer Kompromissform Katarinensaal (die mich als dritten Bürobewohner übrigens ganz übersieht!). Und beide Namen leiten sich ja sicherlich auch von der heiligen Katharina ab. Aber von welcher eigentlich? Der von Alexandrien? Genua? Siena? (Soweit nur die ersten drei Vorschläge von Google.) Hätten die heiligen Damen von damals – wenn vielleicht schon nicht auf die Aussprache – doch nur auf ihre Schreibweise bestanden!

 

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